Die Macht der Quelle – Eine Antwort auf den Artikel von Boukhari Meraghni

Question Mark von Jean-Michel Folon / Marco Bellucci, WM

Question Mark von Jean-Michel Folon / Marco Bellucci, WM

In seinem Artikel Medien, die ultimative Waffe untersucht Boukhari Meraghni die drei größten Ausfälle westlicher Politik in den letzten Jahren, ihre Entstehung und ihre Reflektion in den von ihm so genannten „Massenmedien“. Er zieht ein ernüchterndes Fazit: Man kann den Massenmedien nicht trauen, der Zuschauer ist gehalten jede verbreitete Information kritisch zu hinterfragen.

Zumindest dem zweiten Teil dieser Schlussfolgerung und den meisten von Boukhari genannten Beispielen stimme ich zu, vor allem was die sehr zweifelhafte Behauptung des Vorhandenseins von Massenvernichtungswaffen im Irak und die fragwürdige internationale Intervention in Libyen angeht, die ein im Wesentlichen intaktes Land in einen bis heute wütenden Bürgerkrieg gestürzt hat. Ein Problem habe ich mit den Quellen, mit denen er seine Argumente stützt.

Wenn die angebliche mangelnde Zuverlässigkeit der Massenmedien die Empfänger dazu bringen soll, verbreitete Informationen zu hinterfragen, sollte es sie umso mehr herausfordern sich mit der Quelle der Informationen auseinanderzusetzen und ihre Zuverlässigkeit zu bewerten. Um zu beweisen, dass die Massenmedien unzuverlässig sind, zitiert der Autor auch (meiner Meinung nach notorisch unzuverlässige) Verschwörungstheoretiker. Etwa Michel Collon, der schon als „König der belgischen Komplottisten“ bezeichnet wurde, oder Thierry Meyssan, dem sein Buch „9/11 – The Big Lie“ zu Weltruhm verholfen hat. Dies erscheint mir paradox.

Und schlimmer noch, der Autor wird selbst zur unzuverlässigen Quelle: Er behauptet, dass den USA Terrorgruppen im Irak „willkommen“ gewesen wären und sie diese unterstützt hätten, und zieht zum Beweis ein Dokument heran, das die Beobachtergruppe Judicial Watch durch einen Gerichtsbeschluss erhalten hat. Dieses Dokument, das sicherlich beweist, dass die USA frühzeitig Kenntnis von der Terrorgruppe IS hatten, stützt nicht die Behauptung, dass sie den USA in irgendeiner Weise „willkommen“ war. Es ist vielmehr ein Tatsachenbericht, der die damalige Situation im Irak dokumentiert. Es enthält weder Informationen über Tätigkeiten der USA im Irak, nur solcher seiner Verbündeten, noch erlaubt es irgendwelche Rückschlüsse auf US-Interessen vor Ort. Ich bin davon überzeugt, dass die US-Intervention im Irak einen idealen Nährboden für extremistische Gruppen wie den IS geschaffen hat und dass die USA diese möglicherweise indirekt und unfreiwillig durch Ausbildung und Ausrüstung von Gegnern des Assad-Regimes in Syrien, die sich später dem IS anschlossen, unterstützt haben. Aber das Dokument beweist meiner Meinung nach nicht im Geringsten, dass die USA dies willentlich taten.

Die Medien können eine Waffe, wenn sie als solche verwendet/missbraucht werden, etwa um eine militärische Intervention wie im Irak oder eine Annexion wie im Fall der Krim zu rechtfertigen, was den Zuschauer dazu bringen sollte, gegebene Informationen kritisch zu hinterfragen. Dies sollte aber umso mehr für Quellen gelten, die nicht zu den „Massenmedien“ zählen, insbesondere wenn es sich dabei um Verschwörungstheoretiker handelt. Eine Quelle, der man misstraut, durch eine noch weniger vertrauenswürdige zu ersetzen, hilft der Sache auch dann nicht, wenn sie sonst richtig ist.