Säbelrasseln für eine überkommene Weltordnung – Die NATO zum Anfassen

Sollten sich dieser Tage Menschen im Baltikum von der russischen Sicherheitspolitik bedroht fühlen, kann ihnen geholfen werden. Durch ihre Städte rollt ein großer NATO-Militärkonvoi, der ihnen vermitteln soll dass sie das Militärbündnis nicht im Stich lässt. Und nicht nur besorgten Eltern wird dabei etwas geboten, auch ihren Kindern wird der Konvoi in Erinnerung bleiben: Einmal auf dem Fahrersitz eines Panzers sitzen, die NATO zum Anfassen.

Die NATO-Einheiten sind aber nicht gekommen, um Kinderträume zu erfüllen. Sie sind vielmehr da, um einer aus der Tierwelt bekannten Beschäftigung nachzugehen – dem Revierverhalten. Wie ein Pfau ein Rad schlägt oder eine Katze faucht, um einen Konkurrenten einzuschüchtern, fährt die NATO ihre Trümpfe auf um Russland ihre Krallen zu zeigen.

Dabei ist die NATO nicht alleine: Alle rasseln mit ihren Säbeln. Ob in Russland, im Iran, in Nordkorea – Militärmanöver und Raketentests gehören allerorts zur Tagesordnung. Das macht man so, schließlich funktioniert es sehr gut. Die Empörung der Einzuschüchternden ist immer riesig, die Reaktionen vielfältig. Ob Botschafter einbestellt, Atomwaffen neu ausgerichtet oder wie in Nordkorea zweimal im Jahr der „heilige Krieg“ ausgerufen wird, die militärischen Drohgebärden und die auf sie folgenden Reaktionen beherrschen die Weltpresse. Das ist so vorhersehbar, dass man glatt den Eindruck bekommen könnte, es handele sich um ein großes Spiel mit freudiger Mitwirkung beider Seiten.

Dumm nur, dass es ein Spiel mit dem Feuer ist. Wo Generälen die Befugnisse eingeräumt werden, ihre Spielzeuge herumzuzeigen, besteht immer die Gefahr eines Zwischenfalls. Und wo gedroht wird, hat es die Diplomatie schwer. Warum muss sich die NATO als weltgrößtes Militärbündnis an solchen Spielereien beteiligen? Vielleicht wegen ihrer eigenen Geschichte. Die NATO ist ein Kind des Kalten Krieges, da gehören rollende Panzer an der russischen Grenze einfach dazu. Dass sich die Welt seit dem Kalten Krieg verändert hat und Russland bis vor kurzem mit der NATO zusammengearbeitet hat, kann man da schon einmal übersehen.

Und so bekommen Kinder in den baltischen Staaten nicht nur moderne Panzercockpits, sondern auch altbewährte, aber sinnlose Drohgebärden zu sehen, die nicht mehr in unsere Zeit passen. Denn wenn die NATO und Russland sich in ihrem Militärparadenspiel einmal wirklich verlieren sollten, bietet auch das Panzercockpit keinen Überlebensraum mehr. Dass diese Gefahr sehr real ist, wissen wir spätestens seit der Kuba-Krise. Daraus gelernt hat anscheinend niemand etwas.